Dobermann-Nothilfe, Happy-End für Hunde.


Elvis

Kontakt:

 Jule

frisurproblem at gmx.de


Als ich Elvis vor genau einem Jahr, im Hochsommer 2012, an einer Raststätte in den Kasseler Bergen abholte (wohlmeinende Freunde: "An der Autobahn? Ein Hund aus Polen?"), drückten mir zwei sehr freundliche Herren eine Leine in die Hand und verschwanden recht bald schon wieder.

Am einen Ende der Leine ein ziemlich stinkender, leicht triefäugiger Hund, am anderen Ende ein ziemlich erstauntes Neu-Frauchen.

Sonntag morgen, sechs Uhr. Der alte VW-Bus will nicht anspringen, na klar. Gut, also erstmal dem Hund ein Schweineohr anbieten. Der Hund nimmt freudig und verbuddelt, direkt vor der Bustür. Aha. Wahrscheinlich für schlechte Zeiten.

Der Heimweg nach Flensburg ist weit, erst recht mit dem ollen Bus, also machen wir eine zweiwöchige Reise draus. Aber was stinkt dieser Hund! Wo kann man den waschen, auf Reisen? Ja, wo gibt es immer fließendes Wasser? Auf dem Friedhof. Irgendwann taucht, mitten im Taunus (denn wir fahren zum Weinfest, mein Freund!) ein Friedhof auf, der außerhalb des Dorfes liegt, und also die Gefahr, dort gesehen zu werden, nicht allzu groß ist. Der Hund wird geduscht, mit blechernen Friedhofsgießkannen und Naturkosmetik-Duschgel. Die weitere Reise ist vom Wohlriechen des Hundes und vom Nichtsowohlriechen der Besitzerin geprägt.

Das Weinfest wird wunderbar, der Hund eiert ohne Leine übers Gelände und kümmert sich selbst darum, sein Frauchen nicht mehr zu verlieren, also klasse.

In Köln wird ihm aber doch mulmig, als er bei einer Freundin im Straßencafé warten soll, bis Frauchen Geld geholt hat. Da windet er sich zickzack aus dem Halsband. Freundin, leider mit Krücken, springt auf, das halbe Café springt mit, die Tassen scheppern, eine Straßenbahn kommt - und der Hund steht mit der ganzen Freiheit etwas überfordert mitten auf der Straße.

Rumstehen auf Straßen ist überhaupt bis heute eine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Es gibt ja aber auch so viel zu sehen! Und wenn erst die Autos halten und hupen. Wie soll man da so schnell entscheiden, was zu tun ist?

Ganz leicht fällt die Entscheidung, wenn Hund eine Fährte hat. Da schlurft man frühmorgens, die Augen noch halb geschlossen, über den kleinen Feldweg hinterm Haus, der Hund hebt die Nase, und ist auch schon weg. Martin Rütter schreibt: Gehen sie weiter. Ich habe meinen Hund teuer versichert und gehe weiter. Aber behalte ihn im Blick. Und so spielen wir uns ein.

Gehen wir joggen, so kommt er für die ersten 3 Kilometer an die Leine, danach läuft er frei und überlegt es sich zweimal, ob sich das lohnt, abzuhauen. Die Zwingerzeit fordert da wohl ihren Tribut.

Ich habe einen Hund haben wollen, der am Fahrrad laufen kann und mich beschützt, wenn ich mit dem Bus reise. Bekommen habe ich einen Hund, mit dem ich gerade so schnell radeln kannn, dass ich nicht umkippe, und der alle Menschen nett findet. Und alles Essen lecker. Besonders alles, was offen herumliegt.

Aber er knurrt, wenn man "Atomstrom" sagt. Und bei "Supergau" dreht er sich auf den Rücken. Er fährt, wenn auch vorwurfsvoll blickend, Auto (aber nach 100 km bitte Pause machen!) und kannn 6 Häufchen am Tag machen.

Schwimmen ist nicht so seins, aber er wartet am Strand. Auch wenn ganze Schulklassen um ihn herum stehen und ihm am Ohr zuppeln.

Danke an alle im polnischen Tierheim, die beiden Fahrer, Jenny, Julia und Steffi.