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Dobermann-Nothilfe, Happy-End für Hunde.


DJ

Adresse:
Goldenke 48 
37412 Herzberg am Harz


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Kontakt:

 Sabine Härtl

05585-446

sabine at markig.com



Hey, mein Name ist DJ! Ich bin im Sommer 2008 zu meinem Frauchen gekommen. Sie war sooo beeindruckt von mir, dass sie ein Buch über mich geschrieben hat. Wenn ihr mehr über mich und meine Abenteuer erfahren möchtet, dann lest doch "DJ - Das Geheimnis meines Erfolgs... Vom Straßenhund zum Herzensbrecher!"

Meine Zeit in Polen

Als ich wieder einmal ganz allein und frierend in einem Hauseingang lag, der betrunkene Alte nach Hause kam und mir wohl zum hundertsten Mal einen Tritt verpasste, beschloss ich, dass mein Leben so nicht weitergehen konnte.

Nicht mal einen Namen hatte ich - außer natürlich „Verdammter Straßenköter“ oder „Stinkende Ratte“ oder „Elende Missgeburt“.

Von wegen! Ohne zu übertreiben, ich war durchaus ein stattlicher, dynamischer und intelligenter, polnischer Bursche im allerbesten Mannesalter (das können die Hundemädels in meiner Straße hier bestätigen, ehrlich!).

Mir musste dringend etwas einfallen… und diese Ecke hier würde ich bestimmt nicht vermissen (außer die Mädels natürlich).

Vielleicht war ja was dran an dem Gerücht, dass es da am Rande der Stadt ein kleines Heim geben sollte, wo man ein Dach über dem Kopf hatte und eine Mahlzeit am Tag bekam und nicht ständig beschimpft und misshandelt wurde.

Und wo sie mir vielleicht sogar endlich einen Namen geben würden.

Wie ich es gefunden habe, weiß ich beim besten Willen nicht mehr.

Nur das tolle Gefühl werd ich nie vergessen, als ich seit Tagen wieder was zwischen die Zähne bekam - einfach so, ohne darum kämpfen zu müssen. Eine Box bekam ich auch zugeteilt und mein Name lautete nun „Zone 5, Box 12, Rüde“.

Bei so einem Namen müsste man eigentlich eine Identitätskrise kriegen, aber irgendwie hatte ich so ein Kribbeln im Bauch – ich wusste, das war noch nicht alles, es würde ganz was Großes passieren, was mein Leben für immer auf den Kopf stellen würde. Ich musste nur durchhalten.

Es gab da draußen jemanden, der nur auf mich wartete.

Gestatten DJ!

Und ich sollte Recht behalten.

Sie kamen an einem wunderschönen Tag im April nach Gorzow.

Ich war ganz aufgeregt. Die anderen Tierheimkumpels hatten mir erzählt, dass da ganz liebe Menschen kommen und uns mitnehmen würden.

Und da waren sie nun!

Wir durften frei zwischen ihnen herumlaufen und meine Rute stand nicht eine Sekunde still.

Das war sie endlich - meine große Chance!

Ein Hundekumpel nach dem anderen verschwand in einer Transportbox.

Alle Boxen wurden eingeladen, die Leute stiegen ein, die Autotüren schlugen zu, die Motoren wurden angelassen…

Hey, da stimmte doch etwas nicht! Ihr habt mich vergessen!

Verdammt, das könnt ihr doch nicht machen! Ich muss mit!

Ich hüpfte und sprang, was das Zeug hielt, ich drehte mich ständig um die eigene Achse, bis mir schon ganz schlecht war.

Egal, ich musste mich irgendwie bemerkbar machen!

Schließlich fing an zu jaulen und zu jammern, was meine Stimme hergab.

Endlich stoppte der Wagen und zwei von ihnen stiegen wieder aus.

Na dem Hundegott sei Dank, sie hatten mich endlich bemerkt!

Eine Weile beratschlagten sie und schließlich kam ich in eine Box zu einem kleinen Hundemädchen. (Mann, was für ein Glück, dass es kein Kerl war - so war die lange Fahrt gar nicht so unangenehm!).

Doch sogar das hätte ich auf mich genommen, um nach Deutschland zu kommen - in das Land, wo jemand nur auf mich wartete.

Später erzählten sie mir, dass ich seit dem Moment, als ich das Tänzchen aufs Parkett gezaubert und das unüberhörbare Liedchen angestimmt hatte, endlich einen Namen bekommen hatte: Ich hieß nun DJ.

Deutschland, ich komme!

Die nächsten drei Monate wurde ich bei sehr netten Leuten in Münster untergebracht - Pflegestelle haben die das genannt. Das ist wohl der Ort, wo man dann warten muss, bis Frauchen einen abholt – für immer.

Aber warum noch mal umziehen?

Hier war es absolute Oberspitzenmegaklasse: Zu meiner Begrüßung gleich eine Grillparty, das wäre doch wirklich nicht nötig gewesen!

Meine Hoffnung, alle Würstchen wären nur für mich, den Ehrengast, zerschlugen sich allerdings schnell – na ja, das Schweineohr war auch nicht schlecht! Und vorsichtshalber hielt ich mal Wache am Grill, vielleicht ließ sich ja da doch noch was drehen…

Ich spürte das erste Mal in meinem Leben, dass ich keine Angst mehr zu haben brauchte.

Und ich lernte schon eine ganze Menge für mein späteres Leben:

Man holt keinen Kuchen vom Tisch, die Leckerchen in der Jackentasche bleiben da so lange drin, bis Pflegefrauchen sie rausrückt…

Als dann der große Tag kam, an dem mein neues Frauchen mich abholte, war mir doch ein wenig mulmig zu Mute.

Hier war es doch eigentlich sehr schön gewesen! Doch ich hatte ja immer von einem eigenen, richtigen Zuhause geträumt! Und nun sollte es endlich soweit sein.

Meine Gedanken schweiften noch einmal zurück und ich dachte an die Tage in Polen zurück... Die trüben Gedanken waren aber schnell verflogen, nun sollte die Zeit der Abenteuer beginnen!

Mittlerweile habe ich schon so viele, tolle Sachen erlebt, dass ich sie

wohl am besten mal meinem Frauchen diktiere, damit sie nicht in Vergessenheit geraten!

Tja, dann fang ich wohl mal ganz am Anfang an.

Geheimnisse

Den Anfang meiner Erfolgsstory hat mir Frauchen erzählt, als ich das erste Mal auf dem Sofa an sie gekuschelt gelegen habe und sie mir liebevoll mein Fell gekrault hat.

Sie meinte, es wäre ein Geheimnis und ich dürfe es auf gar keinen Fall weitererzählen – weil es ihr so peinlich war, wie sie damals auf mich,

den „Border“ gekommen ist.

Eigentlich hatte sie sich bei der „Border Collie Rescue“ einen Border Collie ausgesucht und der wäre auch fast statt meiner bei ihr eingezogen.

(Aber der Hundegott hatte wohl in letzter Sekunde ein Einsehen, sonst wäre ich stattliches Kerlchen nicht bei ihr gelandet!)

Als es dann mit dem anderen doch nicht klappte, war sie sehr traurig und suchte weiter nach einem Border-Collie oder einem Border-Collie-Mischling.

Und dann stieß sie auf meine Annonce im Internet:

DJ, jung, ledig, sportlich sucht…

Mein Name ist DJ, ich bin ein kleiner, intelligenter, bereits kastrierter,

2005 geborener Border-Terrier-Mix. Meine Hobbys sind:

Spielen, am Fahrrad laufen, Agility, mit Hundekumpels toben, ganz viel Schmusen, halt alles was einem Jungspund Spaß macht. Ich bin sehr gelehrig und gehorsam, mag Kinder, Kleintiere, und Katzen sind auch ok.

Kann mal ein paar Stunden allein Zuhause bleiben, ohne die Wohnung umzudekorieren.

Ich mops gern mal leckere Sachen vom Tisch, wenn grad keiner zuschaut. Kann da nix für, liegt an meiner nicht rosigen Vergangenheit.

Wachsam bin ich auch, weiß aber schnell, wer es gut mit mir meint.

So liebe Zweibeiner mein Fazit:

Kleiner Stürmischer Herzensbrecher sucht (nach trauriger Vergangenheit) neuen Start ins Hundeglück mit eigener Familie.

Das ist doch machbar, oder?!

Ich warte auf Dich, meinen Menschen, dem ich mein kleines Hundeherz und meine ganze Liebe schenken kann. Wer meint, dass wir zusammen passen, melde sich bitte gerne bei meiner Vermittlerin, um mich kennen zu lernen. Nur Mut, ich wart auf Euch…

Euer DJ

Kein Wunder, dass sie da nicht widerstehen konnte und sich sofort meldete (na ja, ihr habt Recht, das mit dem Mopsen vom Tisch hätte man ja nun nicht unbedingt erwähnen müssen…).

Sie war so fasziniert von meinem Wesen, dass sie überhaupt nicht bemerkte, dass ich äußerlich aber auch so gar nichts mit einem Border Collie gemeinsam hatte. (Aber was macht das schon, schließlich zählen die inneren Werte!)

Sie las nur „Border-Terrier-Mix“ (und das muss nun wirklich unter uns bleiben, Geheimnis, ihr wisst schon!) und hatte keine Ahnung davon, dass es auch eine Hunderasse gibt, die sich Border Terrier nennt.

(Könnt ihr bei Wikipedia nachlesen, ganz exquisite Vorfahren, die da in mir stecken). Sie war überzeugt davon, ich sei ein Border-Collie-Terrier-Mischling und wollte mich haben.

Und sie bekam mich…und will mich auch nie wieder hergeben!

Auch wenn ich (wie sich schnell herausstellte) „nur“ ein Border-Terrier-Mix bin, und kein bisschen Border Collie in mir steckt.

Was heißt hier eigentlich nur?

(So viel Spaß hätte sie sonst nie, nie, nie im ganzen Leben gehabt!!)

Mein neues Zuhause

In meinem neuen Zuhause erwartete mich Indi, eine graue Schäferhündin, die sich aber eindeutig mehr für das Schweineohr interessierte als für mich.

Es stellte sich aber schnell heraus, dass man mit ihr prima auskommen konnte (manchmal ließ sie sich sogar von mir das Futter unter der Nase wegmopsen, was mein Frauchen nicht sofort merkte. Aber als sie‘s dann merkte, gab’s ein Donnerwetter! Aber mal ehrlich, probieren kann man’s doch mal…) Ich merkte sehr bald, dass Indi die Kondition fehlte, um mit mir mithalten zu können – obwohl ich ja vier Wochen nur an der blöden Leine laufen durfte.

Also in meiner Annonce hatte doch eindeutig gestanden:

Intelligent, gehorsam, gelehrig.

Frauchen meinte aber, sie könne da gar nichts machen, in diesem komischen Schutzvertragsdingsda war das vereinbart worden.

Wen wollten sie denn schützen?

Vielleicht die Rehe, Hasen, Wildschweine, Füchse, deren Spuren überall im Wald so herrlich dufteten?

Ich hab alles gegeben, um intelligent, gehorsam und gelehrig zu wirken –

aber sie blieb standhaft.

Spaziergänge im Wald

Tja, Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude und der Tag sollte kommen, an dem ich endlich den Wald unsicher machen durfte.

Und ich überzeugte mein Frauchen sofort, wie gehorsam ich war, kam sofort auf Pfiff, setzte mich vor sie – Hauptsache nicht mehr an die Leine müssen ! (und die Leckerchen waren ja schließlich auch nicht zu verachten…)

Sie war ganz begeistert und so konnte ich gaaaanz vorsichtig das Tempo und die Entfernung steigern, bis sie mir gänzlich vertraute.

Nun konnte ich auch meine Aufgabe in Angriff nehmen und die Kondition meiner Hundefreundin steigern.

Das beste Mittel war, ihre Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, indem ich nach Hasenköddeln suchte – die liebt sie nämlich genauso wie ich. Ihr hättet mal Frauchen toben sehen können, wenn wir genüsslich in unüberwindbaren fünfzig Metern Entfernung auf den Hängen diese Super-Leckerchen verspeisten.

Ich bin dann natürlich sofort zurückgespritzt (um ihr Vertrauen in mich nicht zu erschüttern), aber meine Freundin hat da ein etwas dickeres Fell – oder Probleme mit den Ohren, schließlich ist sie schon zehn Jahre alt.

Es machte auch Spaß, im Wald über die Baumstämme zu balancieren, über Bäche zu springen, die großen Holzstapel rauf und runter zu flitzen. Da hab ich Frauchen ganz schön beeindruckt, sie wusste ja nicht, dass ich mit meinem Pflegefrauchen schon auf dem Hundeübungsplatz so

was Ähnliches geübt habe – Agility nennen die Menschen das.

Trotzdem macht das im Wald erst richtig Spaß!

Einmal bin ich sogar freiwillig über so einen Stapel gesprintet – ich hatte ein Eichhörnchen in der Nase. Sah sicher sehr sportlich aus.

Meine Freundin Indi, mittlerweile gut durchtrainiert, setzte hinter mir her. Dann hörte ich nur Frauchens gellenden Schrei und vergaß darüber sogar mein Eichhörnchen.

Indi war auf den glitschigen Baumstämmen ausgerutscht und steckte nun dazwischen fest. Sah ungeheuer lustig aus: Sie saß mit dem Po auf dem Baumstamm, strampelte mit den Beinen in der Luft, konnte sich aber nirgends abstützen.

Frauchen stand eine Weile ratlos davor, kletterte dann aber hinterher, packte in Indis Fell (das Gequietsche war markerschütternd) und zog sie wieder hoch.

Einen kleinen Moment kam Indi zum Stehen, rutschte dann aber endgültig dazwischen.

„Die Arme - nur noch ein halber Hund!“, dachte ich noch, als Frauchen noch einmal fest zupackte und an ihr zog.

Dann folgte eine zirkusreife Nummer!

So was habe ich im Fernsehen mit Elefanten gesehen (nicht etwa, dass ihr nun meint, die Beiden hätten mich auch nur im Entferntesten an diese Tiere erinnert!). Sie drehten sich ganz vorsichtig auf der Stelle, um dann ganz sachte, aber unendlich glücklich wieder runter klettern zu können. Frauchen schaute mich ganz erstaunt an und war deutlich erleichtert,

weil ich so artig davor gewartet hatte.

Ja, glaubte sie denn, so eine Nummer will ich verpassen? Was sind dagegen schon Eichhörnchen?

Außerdem hatte ich mittlerweile gelernt, dass Eichhörnchen verdammt schwer zu kriegen sind.

Also, einmal saß so ein Teil plötzlich vor mir auf dem Waldboden und in mir kam der unbändige Wunsch hoch, es mir zu schnappen. Es kletterte unfairerweise sofort den Baum hoch, aber ich flitzte einfach hinterher!

Einen Meter bin ich den Baum hochgekommen – ehrlich! Dann bin ich aber unsanft auf den Po geplumpst. Wie machen die das bloß?

Und was meinte Frauchen damit, ich sei wohl größenwahnsinnig und glaube tatsächlich, ich sei „Superdog“?! Muss ich den kennen?

Probieren geht schließlich über studieren! Und vielleicht hätte es ja geklappt, wenn ich ein bisschen schneller gewesen wäre!

Wartet nur, ich treff euch wieder!

Gänzlich von meinen inneren Werten überzeugt habe ich Frauchen vor kurzem, als ich noch etwas Unwiderstehlicheres in die Nase bekam, als so ein winziges Eichhörnchen.

Wir liefen so schön im Schnee und Frauchen war völlig entspannt, weil man sehen konnte: Vor uns war nicht ein Mensch hier spazieren gegangen.

Unberührte Natur nennt sie das. Von wegen unberührt!

Sieht sie denn nicht die vielen wunderbaren Spuren von diesen vielen wunderbaren Tieren, die hier entlang gelaufen sind?!

Plötzlich flitzte ich los, dort weiter hinten musste gleich etwas ganz Tolles aus dem Wald durchbrechen.

Nun wurde Frauchen doch nervös, sah aber nicht das Geringste

(ich auch nicht, aber ich witterte es schon) – ein paar Hirsche setzten von rechts über den Weg! Was für ein unerwartetes Abenteuer!

Ich wollte gerade hinterher, da gellte ein Pfiff zu mir herüber. Ach Frauchen, du verdirbst aber auch jeden Spaß!

Einen Moment überlegte ich noch, ob ich mich damit ausreden könnte, dass ich schließlich einen Border Terrier in mir hatte, der dazu gezüchtet worden ist, die Füchse zu jagen und mit einem einzigen Biss zu töten…

…da fiel mir ein, zu blöd, das waren ja gar keine Füchse!

Also die Ausrede zieht nicht… Na gut, dann wollte ich mal wieder mein Frauchen damit überraschen, wie gehorsam ich sein konnte und machte auf dem Hacken kehrt und flitzte zu ihr zurück.

So überschwänglich hatte sie mich noch nie gelobt (und ich bekam gleich eine ganze Handvoll Leckerchen als Belohnung).

Ich glaube, sie war mächtig stolz auf mich.

Bald entdeckte ich noch ein anderes wundervolles Hobby im Wald!

Es gibt unter der Erde so viele Gänge und Bauten, was glaubt ihr, wer sich dort alles verkriecht. Das braucht nur leider seine Zeit, bis man sich vorgebuddelt hat. Warum Frauchen einfach nicht verstehen will, dass ich dann nicht gleich wieder weiter mitkommen kann.

„Gut Ding braucht Weile!“ wie die Menschen so sagen.

Einmal wurde es ihr dann aber zu bunt, dass ich immer tiefer grub und

sie beschloss, ein Stückchen weiter zu gehen und zu schauen, wohin der Weg führte. Das hatte sie aber vergessen mir zu sagen – oder meine Ohren waren schon so voll Erde, dass ich es einfach nicht gehört habe.

Plötzlich entschied ich mich mit dem Gebuddele aufzuhören (die blöde Maus war eh nicht zu Haus) und schaute mich nach meinem Rudel um.

Oh Gott, niemand mehr da! Hatten sie sich verlaufen? Ohne mich würden die doch nie mehr zurückfinden. Schließlich war ich der Leitwolf!

So schnell ich konnte, flitzte ich den Weg zurück, konnte aber niemanden finden.

Immer wieder schoss es mir durch den Kopf:

Nie mehr ein warmes, kuscheliges Plätzchen, keine regelmäßigen Mahlzeiten mehr und ganz zu Schweigen von den leckeren, kleinen Trockenfischchen, die es jeden Morgen nach unserem Spaziergang gab!

Blankes Entsetzen packte mich…

Als ich sie nach ewigen Suchen endlich wiederfand, legte ich ein Tänzchen aufs Parkett, da war das in Polen gar nichts gegen! Aber ich glaube, Frauchen war auch unendlich erleichtert, mich wieder zu haben!

Jedenfalls hat sie nicht geschimpft und mich nur geknuddelt!

Nachbarschaft

Natürlich lernt man auch schnell seine nächsten Nachbarn kennen.

Da gibt es Akim, einen alten Husky, der direkt neben uns wohnt.

Ich gebe ja zu, dass ich ihn zu Beginn nicht sonderlich nett begrüßt habe. Als er am Zaun schnüffelte, habe ich freundlich mit der Rute gewedelt –

aber ist das eine Einladung, auch noch die Schnauze unter dem Zaun durchzustecken, mal ehrlich? Das konnte ich doch wirklich nicht zulassen! Wohl möglich, wäre er noch ganz durchgeschlüpft!!

Na gut, ich hätte ihn nicht gleich in die Nase zwicken müssen und hätte ich damals schon gewusst, dass er so ein schlechter Fresser ist, wäre ich eh diplomatischer vorgegangen.

Gott sei Dank ist er genau so wenig nachtragend wie Indi.

Als mir nämlich sein restliches Abendessen in die Nase stieg (wie kann man nur so schlechte Tischsitten haben und seinen Teller nicht aufessen?), zwängte ich mich unter dem Zaun durch und ließ es mir schmecken.

Schnell wie der Wind, war ich wieder zurück – keiner gemerkt!! Unverschämt sagt ihr? Nee, also wirklich, das war eine echt gute Tat!

Was glaubt ihr wohl, wie glücklich ich sein Frauchen gemacht habe?!

Ich konnte ganz genau hören, wie sie zu Akims Herrchen sagte:

„Ist das nicht schön, dass Akim in letzter Zeit so gut frisst?“

Dann haben wir da noch Lilie von gegenüber - eine überaus imposante Doggendame.

Als ich sie kennen lernte, habe ich noch vornehme Zurückhaltung walten lassen. Na ja, Ladys first und so…

Beim nächsten Mal traf ich sie, als ihr Frauchen gerade die Müllsäcke an die Straße stellte, gerade als wir vorbeikamen.

Die können nur für mich gewesen sein!

Warum sonst sollte sie sie dort hinstellen, wenn ich da lang gehe?

Gerade als ich ein Loch hineinbeißen wollte, kam Lilie dazu und schnupperte an der gleichen Stelle. Lady hin, Lady her, das war meiner!!

Sie hat Glück gehabt, dass ich sie nicht richtig erwischt habe und sie ein Einsehen hatte, sonst wär es ihr ergangen wie Siggy.

Siggy ist ein schwarzer Schäferhund, der immer alleine unterwegs ist.

Vielleicht will er ja sein Frauchen schonen, wer weiß?

Allerdings hat er die blöde Angewohnheit, jedermann in sicherem Abstand zu umkreisen. Absoluter Feigling! Traut sich nicht nah ran.

Das eine Mal, als er es dann doch wagte, hätte er auch lieber sein lassen sollen. Ich kann doch nichts dafür, dass ich einen Border Terrier als Vorfahren habe!

Deren Fuchsfanggebiss (oder so ähnlich) ist legendär. Ich hab ihn auch nur ein wenig an der Schnauze erwischt, da hat er echt Glück gehabt.

Zumindest sind nun die Fronten geklärt – er hält jetzt immer respektablen Abstand…

Das einzige Mal, als ich echt Hilfe von Frauchen brauchte, war bei der Husky-Hexe Kara. Die lässt einem nicht einmal Zeit zum Schnüffeln…

Ein Blick aus ihren eiskalten Augen (irgendwie muss die mich hypnotisiert haben) und schon fletscht sie die Zähne und los geht’s.

Indi an der Lefze gepackt und schon wollte sie sich mich vornehmen!

Da hat sie aber die Rechnung ohne Frauchen gemacht!

Ein gezielter Tritt und die Sache war geklärt! Bin echt stolz auf dich, Frauchen, was sollte ich nur ohne dich machen?

Als wir nach Hause gingen, habe ich erst mal einen dicken Haufen vor deren Tor gesetzt (Rache ist Blutwurst!). Sonst schimpft Frauchen dann immer und macht ihn weg – dieses Mal hat sie aber nur gegrinst…

Meine dunkle Seite

Frauchen nennt das übrigens meine „dunkle Seite“.

Aber wie soll Frauchen auch wissen, wie es ist, wenn man auf der Straße ums Überleben kämpfen muss.

Jeden Krümel, den man findet, muss man vor den anderen verteidigen. So schnell kann man diese „schlechte Gewohnheit“ nicht ablegen!

Und woher soll ich denn wissen, ob es morgen auch wieder so leckere Schweineohren gibt oder wir mit Pansenstangen verwöhnt werden?

Und wenn ich nicht als erster in der Schlange hinter Frauchen anstehe, kriege ich nichts von dem Kuchen ab, den sie sich gerade auftut.

Und wenn Indi auch ansteht, kriege ich vielleicht weniger.

Da muss man doch abklären, wie die Rangfolge ist, oder?

Frauchen hatte überhaupt kein Verständnis dafür, dass Indis Nase nun ein wenig blutete und meinte, ich müsse erst mal lernen, dass es auch Futter gibt, das nur ihr alleine gehört!

Weil sie der Chef ist!

Und das andere Futter verteilt sie an uns – ganz gerecht!

Na gut, das hab ich dann kapiert.

Aber wenn ich ganz alleine was finde?

Das gehört doch eindeutig dem ehrlichen Finder, oder?

Auch da war Frauchen total anderer Meinung und ich glaube, das hat sie mir nie ganz verziehen, dass ich aus ihrer Schäferhündin einen Bullterrier gemacht habe.

Da hab ich wohl wirklich ein wenig übertrieben – es blutete fünf Minuten lang aus Indis Fang, so doll, dass Frauchen einen Druckverband machen musste.

Der Flur sah zugegebenermaßen auch aus, als hätte man dort ein Schwein geschlachtet.

Eine Woche lang war die Nase angeschwollen, aber eigentlich nur auf der einen Seite.

In der Pizzaschachtel, um die der Streit ging, war leider auch nichts drin gewesen.

Seit dem bin ich viel einsichtiger geworden und Indi und ich sind dann auf den Gedanken gekommen, gemeinsam geht es vielleicht sogar besser…

Bonnie und Clyde

Unseren ersten Coup starteten wir, nachdem wir Frauchen zwei Wochen in dem guten Glauben gelassen hatten, die Süßigkeitenschale auf dem Esszimmertisch interessiere uns nicht im Geringsten.

Wer von uns beiden im Eifer des Gefechts nun zu stürmisch vorgegangen war, weiß ich gar nicht mehr.

Jedenfalls gab es ein schreckliches Gepolter, als alles auf den Boden fiel (wie kann eine so kleine Schale so viel Krach machen?).

Frauchen war sofort zur Stelle (es war mitten in der Nacht – Mann, hat die einen leichten Schlaf!).

Nicht einen einzigen Bonbon hatten wir ergattert!

Aber der große Tag sollte noch kommen:

Martinstag! Eine wundervolle Einrichtung der Menschen!

Die Kinder gehen rum, klingeln an der Tür, trällern ein Liedchen und bekommen Süßigkeiten dafür. Leider konnte ich nicht singen…

Im Flur stand sie nun, die Schale – verheißungsvoll…

Nur warum kamen immer mehr Kinder, sollte denn gar nichts übrig bleiben?

Doch gegen Abend wurden es weniger und ich konnte sehen, da war noch einiges zu holen!

Und es geschah ein Wunder!

Frauchen vergaß, die Schale wegzustellen!

Und diesmal würden wir ganz vorsichtig vorgehen.

Um Gottes Willen keinen Krach machen.

Ich stellte die Vorderpfötchen auf das Flurschränkchen und fischte den ersten Bonbon heraus.

Bäh, war der hart!

Ich warf ihn auf den Boden, genau wie die nächsten fünf.

Indi war da wesentlich weniger wählerisch, die fraß sie samt Papier!

Endlich fand ich so wundervoll weiche Kaubonbons und schleppte einen nach dem anderen in mein Lager.

Ich gab mir auch die größte Mühe, sie auszuwickeln und glatt zu lecken. Vielleicht konnte Frauchen die Papierchen ja noch benutzen, um ein Leckerchen darin einzuwickeln?

Das war überhaupt diiie Idee!

Wenn sie erst einmal sah, welche Freude sie uns mit den Süßigkeiten gemacht hatte und wie geschickt und sorgsam wir damit umgehen konnten (na ja, Indi weniger!), so als Nikolausüberraschung, das wäre einfach umwerfend!

Aber erst einmal warf das „Bild des Grauens“, wie sie es nannte, Frauchen am nächsten Morgen aus den Latschen.

Indi hatte nicht alle Bonbons im Flur gefressen (eigentlich völlig unverständlich und wider ihre Natur!) - eine Spur wie bei Hänsel und Gretel führte genau zu meinem Lager.

21 Stück hatte ich mir schmecken lassen, alle fein säuberlich ausgepackt.

Hätte es mir nach 21 Stück nicht schlecht gehen müssen?

Ich meine ja, so viele können es gar nicht gewesen sein!

Aber Frauchen blieb dabei, sie hat sie angeblich genau gezählt.

Saure-Gurken-Zeiten

Nun brachen harte Zeiten für mich an.

Frauchen meinte, unsere Ernährungsweise wäre äußerst ungesund und ab sofort gäbe es nur noch „gesunde Leckerchen“, wie sie das nannte.

Und davon könne ich gerne 21 Stück fressen (wie nachtragend sie sein kann!)

Indi hatte damit überhaupt keine Probleme.

Ich habe mittlerweile erkannt, dass sie scheinbar keine Geschmacksnerven haben muss, weil sie wirklich alles frisst, was sie finden kann (eingeschlossen Gardinen, Decken, Plastikbeutel, Pizzaschachteln, egal - Hauptsache, es riecht nur ansatzweise nach etwas Fressbarem!).

Aber Mohrrüben waren dann doch echt starker Tobak!

Ich habe sie zwei Wochen lang standhaft ignoriert und Indi überlassen.

Ich hoffte inständig, wenn ich in den Hungerstreik ginge, hätte Frauchen ein Einsehen.

Aber eher schmilzt das Eis am Nordpol, als dass Frauchen nachgibt!

Sie muss wirklich ne schwere Kindheit gehabt haben… (Man hätte den Tierschutz alarmieren sollen oder die Dobermann-Nothilfe, die hat mich ja schließlich auch aus Polen rausgeholt - aber leider hatte Frauchen die Telefonnummern unter Verschluss!)

Dann habe ich aufgegeben, denn ich war fast am Verhungern!

Also versuchte ich, eine erst vorsichtig zu zerbeißen und in kleine Stücke zu zerteilen.

Und dann merkte ich, soo schlecht waren die Dinger gar nicht!

Vielleicht ist ja was dran an gesunder Ernährung und mein Frauchen pflegt ja auch immer zu sagen:

Man muss erst einmal alles probieren, ehe man sich ein Urteil erlauben kann!

Mittlerweile habe ich meinen Speiseplan neben Mohrrüben auf Äpfel, Gurke und Paprika erweitert.

Und etwas Gutes hat gesunde Ernährung auf jeden Fall:

Der Magen ist voll und man kann ruhigen Gewissens auch mal wieder sündigen…

Nikolausstiefel-Terminator

Und der Tag kam schneller als erwartet!

Eigentlich hatte ich schon befürchtet, es gäbe nie wieder so wunderbare Kleinigkeiten, die den Serotoninspiegel dramatisch in die Höhe treiben, denn Frauchen war jetzt echt pingelig und verstaute sämtliche Süßigkeiten in unerreichbarer Höhe.

Kurz vor dem Nikolaustag (noch so eine wundervolle Erfindung wie der Martinstag!), begab es sich, dass Frauchen morgens so in Eile war, dass sie gar nicht merkte, dass ich mich in ihr Bett geschlichen hatte.

Die Tür ging zu und ich protestierte auch nicht im Geringsten – wo konnte es schöner sein, als in Frauchens Zimmer? Hier roch schließlich alles nach ihr.

Das würde ein wundervoller Vormittag werden, völlig ungestört von Indi

in dieser Kuschelhöhle zu warten, bis Frauchen wieder zurückkam.

Apropos Indi!

Ich konnte genau hören, wie sie aufgeregt im Flur hin und her tigerte.

Ob sie vielleicht doch irgendeine Köstlichkeit entdeckt hatte, die Frauchen vergessen hatte wegzustellen?

Und ich war hier gefangen!

Frauchen hätte doch eigentlich merken müssen, dass ich sie heute Morgen nicht verabschiedet habe.

Wo blieb eigentlich ihre Fürsorge für mich?

Ich entschied mich, mal ordentlich an der Tür zu kratzen, vielleicht war sie ja doch noch nicht gefahren und hörte meine verzweifelten Hilferufe!

Und Indi könnte eigentlich als mein Hundekumpel mal versuchen, die Tür aufzumachen – schließlich ist sie ja viel größer als ich und kommt an die Klinke ran!

Aber sie lag nur vor der Tür und tat nichts zu meiner Rettung (wenn die Türklinke nach Leberwurst gerochen hätte, wär die Tür schon auf, jede Wette!).

Was blieb mir anderes übrig, als ein wenig auf Entdeckungsreise zu gehen, damit die Zeit bis zu Frauchens Rückkehr schneller umging.

Und ich wurde fündig!

Hier also hatte Frauchen die Süßigkeiten für den Nikolaustag versteckt.

Sehr clever!

Aber sie hatte die Rechnung ohne mich gemacht.

So eine Hartplastikbox dürfte für mein Fuchsfanggebiss doch eine Kleinigkeit sein (Dank sei meinen Vorfahren!). Zugegeben, die Plastikfolie darum herum war nicht so leicht abzukriegen wie das Bonbonpapier.

Da musste ich wirklich alles geben!

Aber ich hatte ja jede Menge Zeit.

Und die zwanzig Rocher darin waren die Mühe ganz bestimmt wert!

Endlich krachte die Box entzwei und das Nikolausfest konnte beginnen!

Die Goldpapierchen waren noch schöner als das olle Bonbonpapier am Martinstag.

Da musste ich mir alle Mühe geben, die Teile ordentlich auszuwickeln und wieder schön glatt zu lecken.

Am besten ging das in Frauchens Bett.

Das sah richtig nett aus und ich verteilte sie schön zu einem Muster.

Die Schokokrümelchen dazwischen schleckte ich noch weg, damit Frauchen nicht in einem schmutzigen Bett schlafen musste (soll ja schreckliche Flecken geben, diese Schokolade!).

Wie gut, dass ich mich die letzten Wochen so gesund ernährt hatte!

Die Menschen stöhnen ja auch immer, dass sie den Weihnachtsspeck wieder abtrainieren müssen. Da hab ich schon vorgesorgt.

Nach diesem köstlichen Mahl schlummerte ich ein Weilchen und schon hörte ich Frauchen, die Tür aufschließen.

Sie rief ganz besorgt nach mir (die Fürsorge kam nun wirklich zu spät) und schaute in die Küche und schließlich in ihr Schlafzimmer.

Ihr besorgter Blick fiel auf mich, dann auf das Bett und nun sah sie aus, als würde es gleich ein schreckliches Donnerwetter geben.

Ich nahm alle meine Kräfte zusammen und setzte den bemitleidenswertesten Hundeblick auf, den ich zu bieten hatte.

Er schien zu sagen: „Was soll ich denn machen, wenn du mich hier einsperrst und ich sooo lange mutterseelenallein hier auf dich warten muss, mein geliebtes Frauchen? Können diese Augen lügen?“

Dann fügte ich noch einen kleinen Schwächeanfall hinzu und tatsächlich, das Donnerwetter blieb aus.

Sie murmelte etwas von „mein armer, kleiner Schatz

(ja, der war ich ja nun wirklich!), hoffentlich geht es dir gut – so viel Schokolade kann einen Hund umbringen!“

Da kennt sie polnische Straßenhunde aber schlecht!

Uns bringt so schnell nichts um.

Den restlichen Tag beobachtete sie mich sehr sorgfältig – aber was soll ich sagen:

So toll hatte ich mich schon lange nicht mehr gefühlt! Mir war nach Abenteuern zu Mute, ich schüttelte meine Spielzeuge tot, flitze durch die Gegend und versuchte sogar, Indi zum Spielen aufzufordern (was sie sehr verunsicherte!).

Die Welt war rund und bunt (hab ich eben echt gereimt?).

Frauchen vermutete einen Serotoninschock bei mir

(was auch immer das war – es war unbeschreiblich aufregend!).

Als ich noch nicht einmal mit einem klitzekleinen Verdauungs-Problemchen darauf reagierte, beruhigte sie sich endgültig –

und nannte mich liebevoll ihren kleinen „Nikolausstiefel-Terminator“.

Kann mir jemand bitte erklären, was das ist?

Sturer Ziegenbock

In den nächsten Tagen zeigte ich übrigens ein Verhalten, das Frauchen schier zum Wahnsinn trieb: Ich hatte das unbändige Bedürfnis, diese saftigen, grünen Hälmchen zu verspeisen, die überall am Wegesrand durch den Schnee schauten… Und zwar jeden einzelnen in seiner wunderbaren Zartheit… Eine wahre Delikatesse, mit der ich ab sofort meinen vegetarischen Speiseplan erweitern wollte.

Frauchen, da hilft kein Ziehen und kein Zerren!

Das dauert halt so seine Zeit, bis man so eine Fläche von zehn Quadratmetern abgefressen hat und der Magen richtig voll ist.

Ich rührte mich keinen Millimeter von der Stelle und ließ mich auch nicht im Geringsten aus der Ruhe bringen…

Frauchen meinte nur, entweder seien das nun doch die Spätfolgen meiner exzessiven Nikolaustagorgie oder aber ein verspäteter Racheakt, weil sie die Schweineohren gestrichen und durch Möhrchen ersetzt hatte.

So abwegig schien mir letzterer Gedanke gar nicht - vielleicht mutierte ich ja nun aus diesem Grund zum Kaninchen…

Sie meinte allerdings, ich sei im letzten Leben bestimmt ein Ziegenbock gewesen… und ein verdammt sturer obendrein!

Sehr interessante Wiedergeburtstheorie, die sie da hatte.

Natürlich musste sie ihren Unmut sofort irgendwo loswerden und verpetzte mich wieder einmal per email bei meinem Pflegefrauchen.

Und die hatte natürlich wie immer sofort „einen guten Rat“ parat!

Frauchen sollte doch in Zukunft statt Leckerchen immer einen Büschel Gras in der Tasche haben…

Pfui, Pflegefrauchen! Und ich dachte, du bist auf meiner Seite!

Mülltrennungskontrollkommando

Hab ich euch schon erzählt, dass es absolut eine Verschwendung ist, was Menschen so alles wegwerfen?

Damit könnte man glatt zwanzig Straßenhunde einen Monat lang durchfüttern!

Denkt doch auch mal an die Dritte Hundewelt!

Oder wenigstens an mich, schließlich gehörte ich auch einmal zu diesen bemitleidenswerten Kreaturen!

Da wandern munter Fischreste, Brot, Fleisch und Wurst in den Mülleimer hinein (Müll, pah!!) und ich kann rein gar nichts dagegen tun!

Findet ihr nicht, das ist echt zum Fell raufen?

Und die Menschen werden doch nun auch eindeutig dazu angehalten,

die Verpackungen nur völlig entleert wegzuwerfen, damit sie schneller wiederverwertet und neue, leckere Sachen darin eingepackt werden können.

Über diese weltbewegenden Dinge zerbrach ich mir immer wieder das hübsche Köpfchen, während Frauchen in der Küche das Essen kochte oder Brote für die Arbeit schmierte.

Und irgendwann schoss mir die Lösung des Problems durch den Kopf:

Indi und ich würden ein Mülltrennungskontrollkommando gründen!

Jawoll, endlich ein nützliches Mitglied der Gesellschaft!

Der Plan war nur nicht so einfach umzusetzen, denn Frauchen hatte aus ihren „Fehlern“, wie sie das nannte, gelernt, und schloss die Küchentür immer, bevor sie das Haus verließ (tja, Misstrauen beherrscht die Welt!).

Als sie aber irgendwann wieder sehr in Eile war (wichtiger Termin beim Finanzamt oder so), vergaß sie die Küchentür.

Unsere große Chance!

Nur wie bekommt man den verdammten Mülleimer auf?

Indi hatte natürlich wieder mal keine brauchbare Idee (außer gleich den Mülleimer mitzufressen).

Und selbst ich musste lange daran rumprobieren - es waren elende Druck-Spring-Verschlüsse dran, die einem das Leben echt nicht gerade leicht machten.

Aber was so ein richtiger Hartplastikbox-Verpackungs-Knacker ist, der verrät seine Tricks nicht! Endlich lag das Paradies auf Erden vor uns.

Da geht einem Straßenhund (na gut, ehemaligen Straßenhund) das Herz auf, glaubt mir!

Und ich habe sogar brüderlich mit Indi geteilt (und ihre Nase in Ruhe gelassen!).

Als Frauchen nach einer Stunde wieder nach Hause kam, war wirklich alle Arbeit erledigt: Sämtlicher Müll gewissenhaft auf Verwertbarkeit überprüft und gereinigt!

Die besten Teile hatte ich natürlich auf mein Lager geschleppt und wollte sie später genießen.

Ich weiß gar nicht, warum Frauchen so sauer war?

Na gut, der Müll lag überall in der Küche, im Flur und im Wohnzimmer verteilt.

Aber sie musste doch nur noch die wenigen verbliebenen Reste wieder einsammeln und hat sich dabei unter Garantie keine schmutzigen Finger geholt: Die Jogurtbecher waren alle fein säuberlich ausgeleckt, das Fischpapier sauber abgeschleckt, nix mehr mit Resten in der Verpackung (und was Indi sich vorgenommen hatte, war sowieso samt sämtlicher Verpackung in ihrem Magen gelandet).

Na ja, was soll ich sagen:

Seit dem stand die Küchentür nie wieder offen…

Wer schön sein will, muss leiden

Dieses Sprichwort betrifft ja eigentlich eher die Damenwelt.

Und schön sein, wollte ich ja auch gar nicht – nur schön riechen!

Aber das unterscheidet uns Hunde eindeutig von den Menschen, die haben aber auch so gar keinen guten Geschmack.

Jeder richtige Hund wird mir Recht geben: Es gibt absolut nichts Schöneres, als sich mal so richtig ausgiebig in Dachskot zu wälzen…

(Außer vielleicht ihn zu fressen!)

Und wenn man diese wohlriechende Rarität dann im Wald findet,

darf man nicht einen Moment zögern… nur weil Frauchen vielleicht schimpfen könnte…

Und da ich mich echt zu den richtig harten Hunden zähle, konnte mich natürlich auch nichts in der Welt davon abhalten!

Dachte ich zumindest.

Frauchen sah mich und sagte kein Wort (hätt ich mir gleich denken können – die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm….).

Unser Spaziergang wurde kommentarlos fortgesetzt.

Aber das dicke Ende sollte kommen, als wir wieder zu Hause waren.

Sie schnappte mich, stellte mich brutal unter die Dusche, schamponierte mein Fell rundherum ein und brauste den ganzen schönen Dachskot kurzerhand ab. Die ganze Arbeit war umsonst gewesen!

Wie kann man nur so brutal mit einer so zart besaiteten Handvoll Hund wie mir umgehen?

Aber das reichte ihr immer noch nicht, sie schoss noch ein Foto von mir: Zur Abschreckung hängt es nun am Kühlschrank…

Schaut es euch nur gut an - so sieht ein Hund aus, der gequält und misshandelt wurde, nur weil sein einziges Verbrechen darin bestanden hatte, seinen ureigensten Instinkten zu folgen…

Prinzessin

Kennt ihr das Gefühl, aller Augen starren nur auf euch?

Frauchen hatte sich so über das neue Hundegeschirr gefreut, das von einer etwas stämmigeren Dackeldame gespendet worden war

(die hat es richtig gemacht!! Wenn man ihr das Geschirr anlegte,

rührte sie sich keinen Zentimeter mehr von der Stelle).

Von daher wurde es nicht mehr gebraucht und ich erbte es nun.

Neu und ungebraucht … und rot … und mit dem Schriftzug „Prinzessin“ an der Seite … pardon an beiden Seiten.

Könnt ihr euch etwas Peinlicheres vorstellen, als damit vor die Tür zu müssen? Aber ich wollte Frauchens Gefühle nicht verletzen und nicht auch in den Laufstreik treten.

Meinen neuen Spitznamen hatte ich in der Nachbarschaft allerdings schnell weg - ich muss ihn jetzt nicht ein Mund nehmen, ihr erratet ihn auch so, oder?!

Ist es da etwa ein Wunder, dass ich des Öfteren mit traurigem Blick vor mich hin sinnierend auf meinem Lager lag und von besseren Zeiten träumte.

Mein Frauchen allerdings deutete meine Blicke völlig falsch und glaubte, meine traurige Vergangenheit ließe mich nicht los oder ich fühle mich ein wenig einsam nur mit der alten, seltsamen Schäferhündin.

Ein junges Mädel, das mich auf andere Gedanken bringen könnte, sollte her und mich wieder aufmuntern.

Mal ehrlich wäre es da nicht wesentlich einfacher und billiger gewesen, ein neues Hundegeschirr für mich zu kaufen? Meine Laune wäre ganz schnell wieder im grünen Bereich gewesen, glaubt mir. Ich stellte es mir vor - schwarz mit silberner Schrift … Superdog …oder …Terminator …

oder von mir aus auch …Frauchens Liebling!

Das wäre doch echt angemessen gewesen! Aber Prinzessin …

Nun ja, ich hatte noch die Hoffnung, dass das mit dem Hundemädel nicht klappen könnte. Frauchen hat wochenlang übers Internet gesucht und verhandelt, lag wohl daran, dass für meine Einzigartigkeit schwer was Passendes zu finden ist. Aber Mühe hat sie sich ja nun wirklich gegeben.

Dann kam der Tag, an dem ich dachte, sie hätte den Grund meiner Trübsal endlich verstanden. Mit der Post kam ein Paket und Frauchen packte ein niegelnagelneues Hundegeschirr aus – schwarz, auf der einen Seite in blau mein Name – handgestickt - auf der anderen ein silberner Schriftzug – fast wären mir vor Rührung die Tränen gelaufen (wenn Hunde weinen könnten) – da las ich den Schriftzug: „Ich war’s nicht“.

Wo war mein Terminator? Mein Superdog?

Also ehrlich, wie ist sie nur auf so was gekommen, völlig unerklärlich!

Ich hatte mich jedoch schnell wieder im Griff, immer noch besser als das alte! Die Welt schien wieder in Ordnung. Doch zu früh gefreut.

Am nächsten Tag fuhr Frauchen schon ganz früh weg und bis zum Nachmittag war ich mit Indi allein zu Haus. Als Frauchen aus dem Auto stieg, traute ich meinen Augen kaum – da trug doch jemand mein Prinzessinnen-Geschirr!

Ein weißes Terrier-Mädchen trippelte ein wenig ängstlich nebenher.

Das war ja mal wieder klar, dass Frauchen mir nicht wegen meiner schönen Augen ein neues gekauft hatte. Ein wenig eingeschnappt war ich schon, aber ich muss gestehen, dem neuen Prinzesschen (auf der Erbse, wie sich bald rausstellte) stand es fabelhaft und vielleicht würden die Nachbarn nun meinen Spitznamen endlich vergessen.

Gestatten, Holly!

Holly, so sollte „unsere“ Prinzessin heißen.

Über meine Gefühle war ich mir eine ganze Zeit nicht im Klaren.

Gleich nachdem ich das traditionelle Begrüßungs-Schweineohr verdrückt hatte, musste ich mal glasklar stellen, was hier alles meins war.

Mein Lager, mein Futter, meine Küche, mein Mülleimer, mein Sofa und natürlich das Allerwichtigste:

Mein Frauchen!! (Indi konnte sie ruhig haben!)

Auch wenn dieser Plunder da in der Spielzeugbox mir noch nie wirklich was bedeutet hatte, holte ich erst einmal alle meine Spielzeuge raus.

Ich zerrte daran, schüttelte sie schnell mal ein wenig tot -

so ein deutliches Zeichen kann nicht schaden!

Holly verstand diese Geste anscheinend ganz genau und stellte sich in ihrem neuen Lager gleich mal mausetot.

Na, dann brauchte ich das ja nicht mehr zu übernehmen (und mir wieder Ärger mit Frauchen einheimsen). Natürlich musste ich jeden ihrer zaghaften Schritte ganz genau beobachten.

Vielleicht hatte ich noch irgendwas Wichtiges übersehen – ach ja,

gut dass ich es gemerkt hatte: Der Spielzeug-Leckerlie-Ball da war natürlich auch meiner!!

(Aber ne gute Reaktion hat sie, das muss man ihr lassen – ihre Nase hab ich eindeutig verfehlt!).

Meine Hochachtung ihr gegenüber wuchs stündlich.

Sie hatte eine verdammt gute Taktik:

Lauerte in der Küche (meine!!), gut versteckt unter dem Tisch, um zur richtigen Zeit (Futter in Sicht!) rauszuschießen wie der weiße Hai persönlich und uns beide zur Seite zu drängen.

Na, so viel Schneid hätt ich dem Prinzesschen gar nicht zugetraut.

Alle Achtung!

Übrigens meisterte sie alle brenzligen Situationen so:

Wenn man es am wenigsten von ihr erwartete, setzte sie ihren Willen durch, legte sich vorsichtshalber auf den Rücken und bot die Kehle –

welcher Gentleman kann dann noch was dagegen unternehmen?

So eroberte sie nicht nur die andere Seite auf dem Sofa neben Frauchen sondern letztendlich auch mein Herz (ups, das glaub ich jetzt aber nicht, ist mir das eben wirklich über meine Lippen gekommen?).

Aber eine Zeit lang wunderte ich mich doch sehr über ihre gezierte Art, eben „Prinzessin auf der Erbse“.

„Oh je, es regnet, pfui“ – Vorderpfötchen geschüttelt, ein Schrittchen getrippelt – „Oh, wie unangenehm, welche Zumutung“ – Hinterpfötchen geschüttelt und endlich ging es los, trippel, trippel…

Schon mal daran gedacht, dass ich in der Zeit am Tor wartend schon klatschnass war? Weiber!

Und was sollte das denn nun werden? Sie klebte doch tatsächlich Frauchen an der linken Ferse! War das ihre Art sich einzuschleimen?

Zeigen, dass sie auch ohne Ausbildung Fuß (äh, Ferse) gehen kann?

Fragen über ungeklärte Fragen.

Frauchen hat das dann aber auch genervt, dass sie ihr so gar nicht von der Seite wich und sie hat sie schon nach einer Woche abgeleint.

Halllooooo? Ich sag nur Schutzvertragsdingsda! Wisst ihr noch?

Vier lange Wochen angekettet… Oder sind das etwa die Auswirkungen der Emanzipation und die gelten jetzt auch schon für Hunde?

Frauchen hat meinen anklagenden Blick verstanden und mir erklärt, sie käme aus Rumänien und eine andere Tierhilfeorganisation habe sie da

rausgeholt und da gäbe es andere Verträge.

Wer soll das nun wieder verstehen, da muss niemand geschützt werden? Ich hab’s dann aufgegeben.

Anfangs dachte ich, was für ne lahme Schnecke! Die hat Frauchen nun extra bis aus Rumänien einfliegen lassen, damit sie mit mir spielen und toben und laufen soll? Da hat ja Indi mehr Pfeffer im Hintern (pardon!).

Aber auch hier sollte ich mich gründlich getäuscht haben.

Stille Wasser sind bekanntlich ja tief (apropos still: Anfangs haben wir übrigens auch alle gedacht, sie hätte gar keine Stimme, was glaubt ihr, wie die heute den Siggy an der Leine angekeift hat!).

Schon nach kurzer Zeit übernahm sie auf den Spaziergängen unauffällig die Spitze unserer Karawane (ich bin hier der Leitwolf!) und mindestens einmal pro Tag darf Frauchen ein paar Minuten warten und pfeifen und rufen, bis Madame gedenkt, ihre Fährtenspritztouren wieder zu beenden. Wenn die erst einmal was in die Nase kriegt, ist alles vergessen.

(Ich sag’s ja, Frauen haben ihre Triebe einfach nicht im Griff).

Hoffentlich weiß Frauchen nun, was sie an mir hat - ich bleib wenigstens immer in Sichtweite (auch wenn ich manchmal nicht immer auf den ersten Pfiff höre!). Aber ich würde sie in keiner Situation jemals vergessen!

Na ja, Holly vergisst sie auch nicht, sie kommt dann immer aus irgendeiner Richtung angerast wie der Teufel und nachdem sie ihr Leckerchen abgeholt hat, verfällt sie schlagartig wieder in ihren Schnecken-Fersen-Gang. Da ist es übrigens ganz egal, ob Frauchen gerade oder schräg läuft oder in Schlangenlinien. Sie klebt an der Ferse. Spaßeshalber hat Frauchen schon gesagt, sowas sei nur durch jahrelanges Training hinzukriegen!

Die ist doch erst sechs Wochen bei uns!

Ich kann’s nicht oft genug betonen: Versteh einer die Frauen!

Intelligenztests

Ach ja, von dem Hundespielzeug für „intelligente Hunde“ hab ich euch ja noch gar nichts erzählt.

Das hat Frauchen für den Border Collie Danny angeschafft, der dann doch nicht hier eingezogen ist (dem Hundehimmel sei Dank!).

Eine Zeit lang lag es ungebraucht in der Ecke (ja, glaubt Frauchen denn ich sei zu blöd dafür und weiß damit nichts anzufangen?).

Meine überaus große Intelligenz konnte ich ihr dann bewiesen, als sie es irgendwann wiederentdeckte und meinte, man könne es ja mal probieren.

Tja, da gab es so ein Drehdingsda mit Löchern drunter.

Indi schob es von links nach rechts durch die Küche, und als es ihr zu bunt wurde, hat sie es kurzerhand mit den Zähnen geschnappt, es geschüttelt und wieder fallen lassen. Tolle Taktik, denn da fielen tatsächlich Leckerchen raus. (Nur war sie leider nicht schnell genug!)

Das andere Teil fand sie noch faszinierender. Unter drei kleinen, hohlen Holzklötzchen hatte Frauchen die Leckerlis versteckt.

Indi setzte wieder ihre Zähne ein und schaffte es wirklich, das Teilchen anzuheben. Genüsslich kaute sie auf dem Holz rum, bis Frauchen es ihr wegnahm. (Ich brauche nicht zu erwähnen, wer zwischenzeitlich das Leckerchen gefressen hat!)

Und für das dritte Spielzeug brauchte ich schon gar keine Gebrauchsanweisung. Das waren so läppische Holzkugeln.

Die rollten blitzschnell zur Seite, wenn man sie mit der Nase anstieß und gaben die Öffnung mit dem Leckerchen frei. Da bestand der Intelligenztest einzig darin, dem weißen Hai den Weg abzuschneiden und gleichzeitig Indi abzudrängeln. Das hab ich doch locker drauf!

Aber was mir anfangs schrecklich zu schaffen machte, war der Kong.

Der Kong ist ein ganz gemeines Folterwerkzeug (das sollte unbedingt dem Tierschutz gemeldet und wegen Tierquälerei verboten werden).

In so ein Gummiteil mit einer winzigen Öffnung werden die leckersten Sachen gestopft, die man sich nur vorstellen kann: Leberwurst, Brot, das vorher in Würstchenwasser eingeweicht wurde, Fischreste, Frischkäse, Käsestückchen…

Nur allein bei der Vorstellung fang ich schon an zu sabbern.

Dann kommt der hinterhältige Teil – Frauchen überreicht dir ihr Geschenk mit einem Lächeln auf den Lippen und der Anmerkung, ich könne ja auch mal zur Abwechslung vorher was für mein Essen tun.

Bin ich ein Ameisenbär, lässt sich meine Zunge ausfahren?

Wie soll ein normaler Hund da rankommen, he? (Ich mach jede Wette, die Intelligenzbestie von Border Collie Danny kann das auch nicht!)

Oh Hundegott! Sieh sich einer Indi an... Sie wandte in ihrer Verzweiflung wieder die ganzheitliche Methode an und wollte gerade den köstlichen Inhalt samt Gummiummantelung schlucken. Frauchen konnte ihn gerade noch aus ihrem Schlund holen (nun hat sie übrigens einen XXL-Kong).

Siehst du Frauchen, wohin du uns mit diesen Gemeinheiten noch treibst!

Dann dachte ich mir aber: Frauchen, ich werd’s dir zeigen! Lies es nach! Border Terrier zeichnen sich aus durch Intelligenz und Ausdauer!

Und für Frauchens ungläubigen Blick, als ich ihr (zugegeben nach einem sehr anstrengenden, halben Stündchen) einen vorbildlich ausgeleckten Kong zurückbrachte, hat sich die ganze Ackerei wahrlich gelohnt.

Meine mittlerweile ausgefeilte Technik bei der Bearbeitung des Kong bleibt aber mein Hundegeheimnis! Schließlich kriege ich auf die Weise immer noch die Kong-Reste meiner beiden netten Mitbewohnerinnen…

Wie gewöhnt man Border an Schaf?

Wisst ihr, dass mir die Postboten in der Vorweihnachtszeit richtig Leid tun? Ein Paket nach dem anderen müssen die armen anschleppen

(auch wenn das ne echt spannende Sache ist, wenn Frauchen auspackt).

Aber mit diesem einen Paket musste es etwas ganz Besonderes auf sich haben. Es roch einfach unwiderstehlich…

Frauchen warf nur einen kurzen Blick hinein und stellte es gleich beiseite.

Das war bestimmt mein Weihnachtsgeschenk und ich sollte es noch nicht sehen… Was war das nur für ein aufregender Geruch?

Ein bisschen Spionieren konnte bestimmt nicht schaden.

Ich steckte mein Schnäuzchen vorsichtig hinein...

Und nun fiel es mir wie Schuppen von der Nase! Es war ein Schaf!

Frauchen wollte mir ein Schaf schenken… aber warum ausgerechnet ein Schaf? Vielleicht, damit aus mir endlich ein richtiger Border Collie wurde?

Oh je, was machen die denn nur mit den Schafen?

(Hätte ich doch bei Wikipedia ein wenig mehr gelesen und mich nicht nur über Border Terrier informiert!)

Irgendwas stimmte mit dem Ding sowieso nicht.

Das musste ich dringend mal näher untersuchen. Ich schnappte mir ein Stück davon und zog es vorsichtig aus dem Paket. Hätte es sich als richtiges Schaf nicht mal ein klitzekleines Bisschen wehren müssen?

Etwas mehr Respekt bitte, schließlich steht hier ein ausgewachsener Border vor dir! Na gut, dann will ich dir mal Beine machen!

Ich riss daran… und schüttelte es… und zerrte es über den Fußboden.

Keine Reaktion – zumindest nicht von dem Teil! Frauchen zeigte jede Menge Reaktion! Regelrecht eine nukleare Kettenreaktion!

Findet ihr nicht, sie hätte mir gleich sagen können, dass das nur das Fell von einem Schaf war und mein neues Schlafplätzchen werden sollte?!

Hilfe, ich werde berühmt!

Die Krönung all meiner Abenteuer aber waren die Folgen eines Scherzes,

den Frauchen sich im Border-Collie-Forum leistete.

Countrydog wollte noch vor Weihnachten einen Nothunde-Kalender herausbringen. Der Erlös sollte der Border Collie Rescue zukommen.

Im Forum folgte der Aufruf:

„Bewerbt euch mit euren schönsten Fotos von euren Notnasen!“

Frauchen saß stundenlang vor dem Computer.

Ein tolles Foto nach dem anderen trudelte ein, ein Border Collie schöner als der andere. Dann sah ich sie nur grinsen und irgendwas murmeln wie

„eine Border-Notnase hab ich schließlich auch zu bieten“.

Und ein Foto von mir ging auf die Reise mit dem Text „…denn diese Augen sagen alles, was sich über seine Vergangenheit sagen lässt...“

Mit „Vergangenheit“ meinte sie meine Zeit in Polen…

Wie gut, dass niemand wusste, weshalb ich diesen

„Ich-trage-das-schlimmste-Schicksal-auf-Erden-auf-meinen-Schultern“ - Blick aufgesetzt hatte… (Ich sage nur ein Wort: Prinzessinnen-Geschirr!)

Was als Scherz begann, endete mit meiner Einzigartigkeit auf dem Februar-Kalenderblatt des Countrydog Kalenders 2009!

Juhuuuuuuuuuu, sie hatten mich genommen – mich DJ, ein kleiner Border-Terrier-Mix zwischen all den großen, stattlichen Border Collies!

Mann, war Frauchen stolz auf mich, stolz wie Oskar! (wie sie das nannte)

Sie schrieb allen, dass sie mich nun auf dem Februar-Blatt bewundern könnten…

Kennt ihr nun das Geheimnis meines Erfolgs?

„Können diese Augen lügen?!“

PS.: Übrigens heute weiß ich, dass gar kein Border-Terrier in meiner Ahnenreihe vertreten ist – dafür aber ein Dobermann!